Strände

01 Oktober 2026

Karriere als Flitzer in der Schweiz

Karriere als Flitzer in der Schweiz

Bericht aus der Studierenden Zeitung Zürich

Ein nackter Feldzug

Der Informatiker Michael schaffte sich unverhofft ein zweites Standbein: Auf eine betrunkene Aktion folgte eine Karriere als Flitzer und eine Rolle in Beat Schlatters Spielfilm.

Michael war 22, als er zum ersten Mal am Rand eines Fussballfelds die Hose herunterliess. Es war der Sommer 2011, als der Kaiserstuhl-Cup in Baden-Württemberg bald zum zweiten Mal durch einen spärlich bekleideten, jungen Mann unterbrochen werden sollte. Eine Partie zuvor war ein Fan des gegnerischen Rot-Weiss Essen nackt bis auf eine schwarze Sturmhaube über den Rasen geflitzt, ganz zur Entgeisterung der Fans vom FC Luzern, zu denen auch Michael gehörte. Dass die Anhänger*innen des Gegners mehr Spass hatten als sie, konnte besonders er nicht auf sich sitzen lassen. Und so trennte kurzerhand nur noch die Tür einer Toilettenkabine Michaels entblössten Unterkörper und die grünen Weiten des Stadions. 

Flitzen auf Auftrag 

Dass diese erste Flitzerfahrung nebst einer um Jahre verspäteten Busse auch eine neue Karriere zur Folge haben würde, hätte der heute fast 40-Jährige nicht gedacht. Angespornt durch seine Nachahmer*innen flitzte er weiterhin bei den Spielen seines Lieblingsclubs und wurde so im Luzerner Fanlager als «de Flitzer» bekannt. «Daraufhin fragte mich ein Arbeitskollege, ob ich nicht beim Rollerderby seiner Freundin flitzen wollte, woraus sich auf einmal immer mehr Aufträge ergaben», erzählt er. So rannte Michael unter anderem nackt über die Bühne des Luzerner Komikers Johnny Burn. Kurz darauf erhielt er einen Anruf von Kabarettisten und Drehbuchautor Beat Schlatter. 

Der Zürcher Promi stellte ihn für einen Gag bei TeleZüri ein, wo er unbekleidet durch die Wettervorhersage rannte, und bot ihm dann eine Statistenrolle in seinem Spielfilm «Flitzer» an. Für Michael, der zur Studienzeit den Minor Filmwissenschaft belegt hatte, ging damit ein langjähriger Traum in Erfüllung. Der Film handelt von einem verwitweten Lehrer. Dieser hatte Geld seiner Schule verwettet und nun grosse Schulden. Um sie zurückzahlen zu können, steigt er selbst ins Wettgeschäft ein und beginnt, Flitzer*innen zu trainieren. An Sportanlässen wettet dann das Publikum auf deren Erscheinung. Michael spielt einen dieser Flitzer*innen. Dafür durfte er mehrmals über den noch vom Tau bedeckten Rasen des Brügglifelds in Aarau flitzen, wobei er nach jeder Aufnahme mit einem Bademantel empfangen wurde, bis die Filmschaffenden mit seinem Auftritt zufrieden waren.

«Richtiger Luxus war das», erzählt er lachend. Im echten Leben seien seine Auftritte nämlich nicht so entspannt. So unterschätze man als Person mit durchschnittlicher Ausdauer sowohl die Länge als auch die Breite eines Fussballfeldes. Dazu wird man vom Sicherheitspersonal gejagt, das trotz Nacktheit kein Problem mit Körperkontakt habe. «Meine Energie leidet da schon manchmal, besonders sportlich bin ich nämlich nicht», sagt Michael. So kam er auch bei seinem allerersten Auftritt ganz schön ins Schwitzen – doch nicht erst auf dem Feld: «Als ich damals in dieser Toilettenkabine stand, überkam mich auf einmal die nackte Panik.» Der Alkohol schien seine mutmachende Wirkung verloren zu haben und der Lärm der Fans klang plötzlich bedrohlich. «Ich dachte nur noch, oh Gott, was mache ich hier überhaupt?» 

Verzweifelt habe er nach seinem Komplizen gerufen, um den Plan wieder abzubrechen. Doch dieser wartete bereits gespannt auf der anderen Seite des Rasens; unter dem Arm Michaels Hose, Unterhose, Schuhe, Socken und Handy. Es blieb ihm somit keine Wahl. Er öffnete die Kabinentür, sprang über die Absperrung und rannte los. «Da war ich plötzlich mitten auf dem Platz und alle starrten mich an. Es war schrecklich», sagt er. Doch auf die anfängliche Panik folgte Euphorie: «Auf einmal begann ich es aber zu geniessen. Die Reaktionen der Fans waren das Beste, ihre schockierten Blicke und wie sie sich nicht mehr halten konnten vor Lachen.» Für seine folgenden Flitzauftritte waren diese der grösste Anreiz, wobei aber auch Alkohol eine entscheidende Rolle spielte. 

Stören, ohne zu schaden 

Michaels Vorgänger*innen hätten andere Beweggründe gehabt. So stellte Sportsoziologe Felix Kühnle fest, dass Flitzen einer Freiheitssymbolik entsprang, die in den 70er Jahren ausgelebt wurde. Öffentliche Nacktheit habe jungen Menschen die Möglichkeit gegeben, gegen traditionelle Normen zu rebellieren. So sei der Effekt auf das Publikum zu jener Zeit jedoch eher der Entrüstung zuzuordnen als der Freude. Neben Provokation gibt es auch Flitzer*innen, die ihren Auftritt zur Leinwand politischer Botschaften machen. Der wohl Bekannteste ist dabei Jimmy Jump. Durch seine Aktionen häufte er Bussen von bis zu 300’000 Euro an. Michael habe nie ein konkretes politisches Motiv gehabt, jedoch sah er in seinen Feldzügen eine Protesthaltung gegen das «Geschleckte» im Fussball: «In diesem Kosmos, wo es um viel Geld geht und stets gejammert wird, wenn ein Fan mal eine Fackel zündet, war das Flitzen eine Möglichkeit, zu stören, ohne jemandem zu schaden.»

Flitzen würde er heute jedoch nicht mehr: «Auch wenn ich es noch immer lustig finde, bin ich heute fast 40 und es gibt Kinder im Stadion. Da muss ich nicht nackt herumrennen.» Doch in Erinnerungen schwelgt er gerne. Besonders in jener an den Match im Jahr 2011, als er endlich in die Arme seines Komplizen rannte und sich in Windeseile wieder die Hose anzog.

Link zum Artikel: ZSONLINE - Artikel

Zum Start in die Vorweihnachtszeit lanciert die USL, die Dachorganisation der FC Luzern Fans, mit dem «Adventsbock» einen Online-Adventskalender mit amüsanten und kultigen Geschichten vom und neben dem Fussballplatz aus vergangenen Tagen.

Der Auftakt macht ein ehemaliger Flitzer und beschreibt sein Debut im Jahre 2011 bei einem Testspiel des FC Luzern am Kaiserstuhl-Cup in Bahlingen.

Das Paraguay-Trikot steuerte den nötigen Mut für den ersten Auftritt bei. Foto: zVg.


15.8.2021 Cupspiel SC Cham - FC Luzern - Flitzer im Einsatz




17.9.2016, Cupspiel:  Ticino Le Locle (2.i) – Luzern 0:3


Lange das Highlight in Le Locle: Ein Flitzer


In Deutschland, in Kleve, tauchen immer mal wieder nackte Flitzer auf. Hier ein Bericht auf Youtube:




Die Geschichte des ersten Flitzers beim Sport!





Die Geschichte des ersten Flitzers beim Sport (und was er heute darüber denkt)

Was bleibt vom Champions-League-Final in Erinnerung? Liverpools Sieg und der Handspenalty nach 20 Sekunden. Aber weil das Spiel so ereignislos war, bestimmt auch ein blondes Model im Badeanzug die Schlagzeilen. Der Ur-Vater aller Flitzer bedauert längst, was er losgetreten hat.
Langes blondes Haar, eng geschnittener Badeanzug: So lernte die Welt am Samstagabend Kinsey Wolanski kennen. Das Model machte Werbung für die Internetseite ihres Freundes.

Es sollte ein «Streich» sein: Das steckt hinter der CL-Final-Flitzerin

Das war 1974 noch ganz anders. Aus diesem Jahr ist die erste Aktion eines Flitzers bei einem Sportanlass überliefert. Und Michael O'Brien war tatsächlich noch ein echter Flitzer. Er rannte nicht für ein Anliegen, war kein Vehikel eines Sponsors, sondern gewann nackt, wie Gott ihn geschaffen hatte, eine Wette.
«Offensichtlich nicht viel.» O'Brien auf die Frage, was er sich bei seiner Einlage gedacht habe.
Es ist ein Rugby-Länderspiel, England spielt im Londoner Twickenham gegen Frankreich. O'Brien, ein 25 Jahre alter Buchhalter aus Australien, sitzt mit einigen Kumpels auf der Tribüne, hat schon ein paar Bier intus. «Es war ein Engländer, der mich herausgefordert hat», verriet der erste (bekannte) Flitzer der Geschichte, als er nach drei Jahrzehnten erstmals öffentlich darüber sprach. «Meine australischen Freunde sagten ihm, er solle nicht mit mir wetten, weil ich es wirklich machen würde. Und so kam es dann auch.» In der Halbzeitpause zieht Michael O'Brien blank und rennt über den Platz.
Um 10 Pfund geht es, heute entspricht das etwa 140 Franken. O'Brien gewinnt das Geld. Auch deshalb, weil die Polizisten zu ihm nett sind. «Ich sagte ihnen sofort, dass es sich um eine Wette handelt und ich es bis zum Zaun schaffen müsse. Also führten sie mich dahin und liessen mich ihn berühren.» Den Wettgewinn ist Michael O'Brien bald wieder los: Die Busse, die er später kassiert, ist gleich hoch.



«Ich bin überzeugt davon, dass er mich um einen Kuss bat», scherzte Polizist Perry (links). Die Antwort O'Briens: «Wir wissen beide, dass das nicht stimmt.»

Heute kaum vorstellbar, aber damals Tatsache: Das Rugby-Länderspiel wird nicht im Fernsehen übertragen. So wird die Welt erst auf den Flitzer aufmerksam, weil Fotograf Ian Bradshaw im richtigen Moment abdrückt. Nämlich just dann, als ein Polizist seinen Bobby-Helm über die Schamgegend des jungen Mannes hält. Nur so kann das Bild am nächsten Tag gross in der Zeitung gedruckt werden.

«Es war ein ausserordentlich kalter Tag und Michael hatte nichts, worauf er hätte stolz sein können.»
Polizist Bruce Perry über jenen Teil des Flitzers, den er mit dem Helm verdeckte
Für Michael O'Brien ein entscheidender Moment in der Geschichte des Flitzens. «Wäre Ian Bradshaw damals nicht zur Stelle gewesen, hätten bloss die 48'000 Zuschauer im Stadion davon erfahren.» Die meisten anderen Fotografen hatten sich in der Halbzeitpause in die Katakomben verzogen, um sich an diesem kalten Nachmittag aufzuwärmen.

Dass er am 20. April 1974 nackt über das Spielfeld gerannt ist, bereut er nicht. Dass er damit einen Trend initiiert hat, der bis heute anhält, bedauert er jedoch sehr. «Ich fühle mich schuldig. Leute, die mitten in einem Spiel stören oder auf Pferde- oder Autorennbahnen rennen, das ist doch einfach nur pure Dummheit.» Sein Ratschlag an jeden, der sich überlegt, ebenfalls im Stadion zu flitzen, fällt entsprechend kurz aus: «Mach es nicht!»



Den Helm schenkte der Polizist dem Flitzer, als es 2006 bei einer australischen TV-Sendung zum Wiedersehen kam.

Kinsey Wolanski, die Flitzerin vom Champions-League-Final 2019 in Madrid, wurde vom Feld abgeführt und direkt in eine Arrestzelle gesperrt. Es heisst, sie sei erst nach einigen Stunden wieder freigelassen worden.

Vor 45 Jahren nahm man den Zwischenfall wesentlich lockerer. Michael O'Brien, der Flitzer aus der Halbzeitpause, sah die zweite Hälfte schon wieder von der Tribüne aus. «Sie nahmen mich mit, ich zog mich wieder an, auf dem Polizeiposten füllte ich einige Formulare aus und rechtzeitig, als die Spieler aufs Feld zurückkehrten, sass ich wieder auf dem gleichen Platz wie vorher.»

Ein Bild, das um die Welt ging.
Weil Ian Bradshaw genau den Moment erwischte, als der Polizistenhelm das Gemächt von Michael O'Brien verdeckte, konnte das jugendfreie Bild veröffentlicht werden. Das «Life Magazine» wählte es zum Foto des Jahres, das «People Magazine» gar zum Foto des Jahrzehnts und Fotograf Bradshaw gewann damit den renommierten World Press Photo Award. «Ich mag das Foto, es machte mich bekannt», sagt Bradshaw rückblickend. «Aber ich musste gar nicht viel dafür tun. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, hatte das richtige Objektiv an der Kamera und einen Film drin.»


Weitere beachtenswerte Flitzer-Momente:

Für die meisten Mitteleuropäer gehört Cricket zum Langweiligsten, was der Sport zu bieten hat. Das dachte sich 2008 wohl auch dieser Turner und unterbrach das Spiel England gegen Südafrika für einen Nackt-Handstand.

Die Nackte vom Pizzastand
Melissa Johnson macht mit ihrem Lauf vor dem Wimbledon-Finale 1996 weltweit Schlagzeilen. Die Idee dazu kam ihr bei der Arbeit am Pizzastand: „Ich habe eine wilde Ader.“ Die Kollegen feuern sie an.


Jetzt reicht's
Mit dieser Reaktion hätte der Nackt-Renner 2015 wohl nicht gerechnet. Bei einem englischen Rugby-Liga-Spiel hat Chris Hala’ufia keine Lust auf Störung und rammt den Flitzer mit einer beherzten Aktion einfach um

Flitzer gibt's überall
Auch das friedliche Synchronschwimmen ist vor Störenfrieden nicht sicher. Das zeigt bei der Weltmeisterschaft 2003 in Barcelona der Brite Mark Roberts, der Werbung für eine Seite im Internet macht



Für Gleichberechtigung
Kimberley Webster schockt Spieler und Zuschauer beim Golf-Turnier in Ohio/USA 2013, sagt später: „Die besten Flitzer der Welt waren Männer, es war an der Zeit, das zu ändern. Außerdem ist Golf immer so brav“




Beim Bundesliga-Spiel Hannover gegen Mainz am Samstag versuchte ein unbekleideter Flitzer, seine Ex-Frau zu beeindrucken. Doch die war von seinem freizügigen Liebesbeweis alles andere als beeindruckt.

Wenn die Freundin Schluss macht, ist das ein schwerer Schicksalsschlag für einen Mann. Kein Wunder, dass die Verlassenen oft absurde Dinge tun, um die Angebetete zurückzubekommen. Mögen sie auch noch so bekloppt sein.

Im Internet wimmelt es nur so von Tricks, Magier bieten gar Liebeszauber zur Partnerrückführung an. Eine Erfolgsquote von 96 Prozent verspricht beispielsweise die „weltberühmte Hexe Denisha van Spijk – bekannt aus TV und Radio“. Doch oft nehmen die Herren ihr Schicksal lieber selbst in die Hand.

Manchmal endet das dann wie bei einem jungen Mann aus Donaumoos, der mit einer Stretchlimousine vor dem Haus der Ex auftauchte und vom Vater brüsk abgewiesen wurde. Dass er anschließend die Haustür einschlug und vor Gericht endete, dürfte der zerflossenen Beziehung kaum neuen Schwung verliehen haben.

Ebenso wenig Erfolg hatte ein Amerikaner, der sich den Kopf einer Klapperschlange in den Mund steckte, um seine ehemalige Freundin zu beeindrucken. Er wurde in die Zunge gebissen und musste mit stark geschwollenem Geschmacksorgan von der Angebeteten in ein Krankenhaus kutschiert werden.

Von den Ordnern zu Fall gebracht
Am Wochenende durften auch 38.600 Zuschauer im Hannoveraner Stadion beim Spiel gegen Mainz (4:1) zusehen, wohin der Liebeswahn gestandene Mannsbilder treiben kann. In der 77. Minute rannte plötzlich ein Mann über den Platz, der nicht dort hingehörte. Allein schon, weil er keine Kleidung trug. Mit wehendem Gemächt drehte er eine Runde, wurde dann von den (bemitleidenswerten) Ordnern zu Fall gebracht.

Der „Bild“ verriet er, dass er mit der Aktion seiner Frau imponieren wollte, die vor drei Wochen aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen war. Leider war die Gattin weniger beeindruckt als entsetzt. „Bist du bescheuert? Du blamierst uns alle“, soll sie gezetert haben.

Hätte sich der Flitzer doch besser an Hexe Denisha van Spijk und ihre Liebestränke gewandt. Das Ergebnis wäre wohl das gleiche gewesen. Aber er hätte wenigstens kein Stadionverbot.





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Danke für dein Feedback!

Karriere als Flitzer in der Schweiz

Karriere als Flitzer in der Schweiz Bericht aus der Studierenden Zeitung Zürich Ein nackter Feldzug Der Informatiker Michael schaffte sich u...

Beliebteste Posts